=?ISO-8859-15?Vorläufige Kurzbilanz Arbeitslosenstatisti =?ISO-8859-15?k 2005 bis 07

=?ISO-8859-15?Vorläufige Kurzbilanz Arbeitslosenstatisti =?ISO-8859-15?k 2005 bis 07

Arbaitslos (2008-02-04 14:23:41)


=?ISO-8859-15?Vorläufige Kurzbilanz Arbeitslosenstatisti =?ISO-8859-15?k 2005 bis 07

Uwe Borchert (2008-02-04 14:23:41)

Vorläufige Kurzbilanz Arbeitslosenstatistik 2005 bis 07
========================================================

Entgegen aller Bekundungen, dass Hartz-IV zu mehr
Transparenz in den Zahlen führen solle trat genau das
Gegenteil ein. Spätestens seit dem 1. Januar 2006 werden
gezielt die Zahlen der Bezieher von ALG-II bereinigt.
Ich versuche hier einen kleinen Überblick über die mir
bekannten Manipulationen in den Statistiken zu geben.

Der Zeitraum der Beobachtungen geht von der Einführung
von Hartz-IV bis zum Januar 2008. Damit kann das Jahr
2007 aber nur unvollständig erfasst werden, einige
wichtige Berichte werden erst im Laufe des Jahres 2008
veröffentlicht und können deshalb noch nicht in die
Rechnung mit einbezogen werden.


Erwerbslose und ALG-I- und II-Bezieher
======================================

Nicht jeder erwerbslose Bezieher von ALG-I und -II wird
auch als Arbeitsloser gezählt. In den offiziellen
Statistiken werden so viele Arbeitslose herausgerechnet
und die Zahlen gehybscht. So bleibt ein Blick auf die
Anzahl der Bezieher als sinnvollere Kenngröße fuer den
Arbeitsmarkt. Diese Zahlen sind in den Monatsberichten
der BA massiven Manipulationen unterworfen.

Die BA gab Mitte 2007 bekannt, dass 17% aller ALG-II-
Bezieher aus den Statistiken herausgerechnet werden. Der
Vorgang ist in der Übergangsphase ab Jan 2006 sehr gut
aus den Zahlenreihen der BA herauszulesen und fuehrt da
bereits auf eine Reduzierung um rund 16%.

<http://www.jungewelt.de/2007/05-29/001.php?print=1>;

Zitat:

Von März 2006 bis März 2007 sank die Zahl der »Jobsuchenden«
um fast 900.000 ­ sagt die Bundesagentur. Dieser aufschwungs-
belebende Schwund sei durch »die systematische Überprüfung
des Arbeitslosenstatus und von erreicht worden.

Ende Zitat

Die offizielle Anzahl der Bezieher muß nach politischen
Vorgaben im Jahresmittel unter 6 Mio liegen, darf nur im
Januar neckisch hervorlugen. Diese Grenze ist eine
psychologische Grenze und wird in Gedenken an das Ende der
Weimarer Republik gefeiert.

Nachdem dieses ,,vergessen von Beziehern nicht die
notwendigen Korrekturen erbrachte wurde zu anderen Mitteln
der Verschönerung gegriffen. Das Umdeklarieren von
Arbeitslosen mit geringsten Einkünften von wenigen Euros im
Monat zum (Schein-) Aufstocker ist eine weitere Methode die
Zahl der offiziell angegebenen Bezieher zu minimieren.
Bezieher von ergänzenden ALG-II, sogenannte Aufstocker,
werden in den offiziellen Statistiken nicht geführt.

Stand Januar 2005 2006 2007
Bezieher ALG I 2.071 1.834 1.420
Bezieher ALG-II, erwerbslos 4.089 5.037 5.085
Bezieher ALG-II, vergessen (*) 0 800 900

(*) Siehe auch junge welt: ,,Raus aus den Zahlen, URL:
<http://www.jungewelt.de/2007/05-29/001.php?print=1>;
und aus dem Manager Magazin nichtquantifizierte Hinweise auf
dieses Vorgehen, URL:
<http://www.manager-magazin.de/unternehmen/artikel/0,2828,480848,00.html>;


Aufstocker
==========

Ein Aufstocker bezieht ergänzendes ALG-II weil das Einkommen
nicht zum Leben reicht. Aufstocker werden als Nichterwerbslose
betrachtet und deshalb nicht in den offiziellen Monatsberichten
der BA als Bezieher von ALG-II berücksichtigt. Die Zahl der
ALG-II-Bezieher incl. Aufstocker steigt idR entgegen der bisher
gesehenen Zahlen stramm an. Angaben über das Thema Aufstocker
findet man u.a. im IAB Forschungsbericht 22/2007. Hier ein
kurzer, tabellarischer Überblick.

Aufstocker mit ALG II:

Vollzeit-Aufstocker 202 295 476
Teilzeit-Aufstocker 85 124 199
Geringfügige Scheinaufstocker 374 453 603
Summe Aufstocker 661 872 1.278

Die Zahl der Scheinaufstocker steigt nach diesen Zahlen
stark an und explodiert fast. Es ergibt sich nun eine neue
Bilanz, je nach dem ob man die Scheinaufstocker mit einbezieht
oder nicht.

Summe ewl Bezieher ALG II 4.100 5.800 6.000
Summe ewl Bezieher ALG I+II 6.600 7.700 7.400
ALG-II incl Scheinaufstocker 4.500 6.300 6.600
ALG II incl aller Aufstocker 4.800 6.300 7.300 (**)

(**) Siehe Pressemeldung der IAB, URLs:
<http://nachrichten.netscape.de/Politik/Siebte-lebte-schon-Hartz-IV-1417626630-0.html>;
<http://www.welt.de/politik/article1180283/Jeder Siebte lebte schon einmal von Hartz IV.html>

---<Zitat>---

Jeder siebte Deutsche unter 65 Jahren
hat schon Hartz-IV-Leistungen bezogen

Im Juli 2007 bezogen nach IAB-Angaben 7,3 Millionen
Menschen in 3,7 Millionen Bedarfsgemeinschaften ALG-II.

---<Ende Zitat>---

Damit ist die Zahlenmanipulation der vergessenen Bezieher
durch offizielle Meldungen mehrfach und zuverlässig
verifiziert.

Anmerkung bzgl. des Zeitpunkts Juli: Durch das
Frühlingserwachen sinkt die Arbeitslosigkeit, idR unter den
Stand von Januar. Dieser ist ein relatives Maximum der
Arbeitslosigkeit. Doch 2007 war der Stand lm Juli bereits
wieder erreicht. D.h. ein schlechtes Jahr mit steigender
Arbeitslosigkeit.

Bzgl. 2007 gibt es noch keine endgültigen Daten der IAB zum
Thema Aufstocker und ALG-II-Bezieher incl. Vergessener. Sobald
diese Zahlen da sind, kann man obige Reihe weiter führen. Bzgl.
der Bilanzen von Arbeitslosen- und Stellenzugängen wird später
noch eine Aussage zum Thema gemacht werden.

Einer der Gründe für das Ansteigen der Zahlen ist auch die
Tendenz der BA und ARGEn Erwerbslose zu Scheinaufstockern zu
deklarieren, um sie damit aus den Arbeitslosen- und
Bezieherstatistiken zu streichen und als Scheinerwerbstätige
zu zählen.

Stellenzugänge und Erwerbstätigkeit
===================================

Der BA wurden 2005 nur 1/3 aller Stellen gemeldet, so die BA
in einigen Pressemitteilungen. Also die Zahlen der Zugänge
von Erwerbslosen den vermuteten realen Zugaengen an Stellen
auf dem Arbeitsmarkt gegenüber gestellt und dann die Differenz
angesehen. Die hier angegebenen Zahlen beinhalten nur die
Meldungen der BA, nicht der Kommunen ausserhalb der ARGEn.

2005 2006 2007 2008
Erwerbslose 6,6 Mio 8,1 Mio 8,0 Mio unbekannt
Zugang Stellen BA 2,1 Mio 2,3 Mio 2,1 Mio
Zugang Erwerbslose BA 7,8 Mio 6,9 Mio 7,7 Mio
Abgang in Erwerb BA 3,3 Mio 3,1 Mio 3,2 Mio
Übertrag Sockel 6,3 Mio -0,1 Mio unbekannt
(real gemessen)

Für den realen Stellenzugang zum Arbeitsmarkt ergibt sich
also folgendes Bild:

2005: q x 2,1 Mio = 6,3 Mio
2006: q x 2,3 Mio = 6,8 Mio

Aus diesen Gleichungen ergibt sich eine Vorfaktors q = 3
für den realen Zugang an Stellen zum Arbeitsmarkt. Dieser
wird mit dem Abgang aus der Arbeitslosigkeit gleich gesetzt
und ergibt folgende Bilanz:

2005 2006 2007 2008
Erwerbslose 6,6 Mio 8,1 Mio 8,0 Mio 9,4 Mio
Zugang Erwerbslose BA 7,8 Mio 6,9 Mio 7,7 Mio
Abgang Erwerb real(?) 6,3 Mio 6,9 Mio 6,3 Mio
Uebetrag geschaetzt 1,5 Mio 0,0 Mio 1,4 Mio
Uebertrag Sockel 1,5 Mio -0,1 Mio unbekannt
(real gemessen)

Aus den letzten beiden Zeilen erkennt man, dass diese grobe
Näherung durchaus funktioniert und weit zuverlässigere
Ergebnisse liefert als die offiziellen Zahlen.

Damit hätten wir einen vermuteten Übertrag von rund 1,4 Mio
Erwerbslosen in den Januar 2008. Das würde eine Summe von
9,4 Mio Erwerbslose bedeuten. 1 Mio ALG-I-Bezieher abgezogen
wären das rund 8,4 Mio erwerbslose ALG-II-Bezieher incl.
Scheinaufstocker. Diese Zahlen werden erst Mitte 2008
verifizierbar sein. Es ist ferner zu vermuten, dass dann
neue und bisher noch unbekannte Maßnahmen zur Hybschung der
Statistiken greifen werden.

Falls die BA recht hat und ihr schon mehr als 1/3 aller
Stellen gemeldet werden, dann würde die Bilanz noch viel
übler aussehen. Dann wären es über 2 Mio mehr Erwerbslose.
Nach Angaben der BA sollen 2007 angeblich die Hälfte aller
Stellenagebote bei der BA gemeldet sein. Dies ergäbe ein
q = 2 und damit nur 4,2 Mio Abgänge bei 7,7 Mio Zugängen.
Damit würde der Sockel um 3,5 Mio ansteigen.


Sozialgeldbezieher und Kinderarmut
==================================

Sozialgeld wird an bedürftige und nicht erwerbsfähige
Mitglieder einer Bedarfgemeinschaft bezahlt. Das sind
in der Mehrzahl aller Fälle minderjährige Kinder und
Jugendliche. Erwachsene Bezieher sind die Ausnahme und
werden idR im SGB-XII (Grundsicherung im Alter und bei
Erwerbsunfähigkeit) verbucht. Somit ist Sozialgeld die
gesetzlich garantierte Kinderarmut.

Immer mehr Menschen sind auf ALG-II angewiesen, damit
auch deren Familienangehörigen auf Sozialgeld. Aber
auch hier greift der bereits angegebene Trick des
Herausrechnens von ALG-II-Beziehern. Falls eine
Bedarfgemeinschaft wegen des Herausrechnens aller
Erwerbsfähigen Hilfsbedürftigen aus der Statistik fällt,
so verschwinden auch die darin enthaltenen
Sozialgeldbezieher aus den offiziellen Zahlen. Die echte
und ungeschminkte Zahl der ALG-II-Bezieher korreliert
perfekt mit den Zahlen zur Kinderarmut. Aus den alten
Berichten der BA erhält man folgenden Schlüssel:

Anzahl armer Kinder = 0.36 x Anzahl ALG-II-Bezieher

Die Quote kann man aus den BA-Berichten des Jahres
2005 sehr leicht errechnen, sie wird dort sogar mehrfach
expliziet angegeben. Bereits im Jahr 2006 steigt die
Quote leicht an. Der Grund ist aber nicht die Freude an
biologischer Reproduktionsarbeit in ALG-II-Haushalten
sondern ein kleiner Trick der BA in den Statistiken.
So wurden, wie bereits mehrfach erwähnt, rund 15% aller
ALG-II-Bezieher aus den Statistiken geworfen. In über
80% aller Fällen verschwindet so auch die
Bedarfgemeinschaft und die Sozialgeldbezieher in dieser.
Ein kleiner Prozentsatz an Haushalten mit seinen
Sozialgeldbeziehern blieb jedoch wegen eines weiteren
ALG-II-Beziehers in den Statistiken und erhöhte so die
Quote leicht.

So vermeldete die BA für Mitte 2007 nur noch 5,2 Mio
Bezieher von ALG-II. Die Kinderarmut betrug zu diesem
Zeitpunkt jedoch 2,6 Mio, wie wir z.B. der Presseerklärung
des Deutschen Kinderschutzbundes vom 19.09.2007 entnehmen
können:

Zitat:

Armut - (k)eine Kinderkrankheit?!

Deutscher Kinderschutzbund prangert mit 2,6 Millionen
Fähnchen Kinderarmut in Deutschland an

Hannover, 19. September 2007. 2,6 Millionen Kinder leben
in Deutschland auf Sozialhilfeniveau und damit in Armut.

Ende Zitat

Das entspricht nach der obigen Rechnung aber rund 7,2 Mio
ALG-II-Bezieher. Diesen Widerspruch löst eine Pressemeldung
der IAB aus dem Sommer 2007 auf:

<http://nachrichten.netscape.de/Politik/Siebte-lebte-schon-Hartz-IV-1417626630-0.html>;
<http://www.welt.de/politik/article1180283/Jeder Siebte lebte schon einmal von Hartz IV.html>

Zitat:

Jeder siebte Deutsche unter 65 Jahren
hat schon Hartz-IV-Leistungen bezogen

Im Juli 2007 bezogen nach IAB-Angaben 7,3 Millionen
Menschen in 3,7 Millionen Bedarfsgemeinschaften ALG-II.

Ende Zitat

Die Anzahl aller Bezieher incl. Aufstocker wird für Juli 2007
mit 7,3 Mio angegeben. Das enspricht 2,6 Mio Kinder in Armut.
Damit sind die Zahlen wieder konsistent.

*** Rechentipp ***

ALG2 = erwerbslose ALG-II-Bezieher laut BA
ADIF = vergessene ALG-II-Bezieher nicht in den
Statistiken, rund 900 TSD
AUFS = Aufstockende ALG-II-Bezieher

Kinderarmut = 0.36 x ( ALG2 + ADIF + AUFS )

******************


Erwerbspersonen und Erwerbstätige
=================================

Die Definition von Erwerbspersonen sind alle Personen
die dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen. Das sind
Erwerbstätige wie gemeldete Erwerbslose. Auch hier, wie
in allen Statistiken zum Arbeitsmarkt, sind massive
Manipulationen in der Berechnung zu beobachten.

Grundsätzlich funktioniert die Berechnung etwa so: Die
BA meldet alle erwerbslosen Bezieher dem statistischen
Bundesamt (Destatis). Destatis addiert die Summe aller
gemeldeten Erwerbstätigen und Erwerbslosen und sendet
diese zurück an die BA. Diese zieht nun alle offiziellen
Arbeitslosen und nicht-erwerbsfähigen Bezieher ab.

Wie sieht das im Einzelnen aus? Die BA meldet die Summe
aller Bezieher von ALG-I und -II. Das sind aber mehr als
in den offiziellen Statistiken auftauchen. Seit einer
Umstellung der Statistiken im Januar 2006 wurde der Status
,,erwerbsfähig überprüft und angepasst. Nicht als dem
Arbeitsmarkt zur verfügung stehende Erwerbslose tauschen
so in den Arbeitslosenstatistiken nicht mehr auf. Dies
waren zu Beginn der Umstellung rund 800.000 Arbeitslose.
Im März 2007 war diese Differenz bereits 900.000, so
verkündete die Bundesagentur für Arbeit.

Obwohl diese Personen nicht dem Arbeitsmarkt zur Verfügung
stehen werden diese Destatis als Erwerbspersonen gemeldet.
Dies führt nach der Logik der BA zu einer um rund 900 Tsd
überhöhten Zahl von Erwerbspersonen. Im Abschnitt über die
Arbeitslosenquoten wird noch auf den Sinn und Unsinn dieser
Logik weiter eingegangen.

Nachdem Destatis diese Zahlen wieder an die BA zurückmeldet
zieht die BA nun die zuviel gemeldeten Erwerbspersonen und
die offiziellen Arbeitslosen ab. Dabei werden aber alle
Personen in aktiven Maßnahmen des Arbeitsmarktes vergessen,
sind sie ja nicht offiziell arbeitslos. Diese bleiben also
weiter in der Zahl der Erwerbstätigen. Dies ist ein Verstoß
gegen die offiziellen nationalen und internationalen
Richtlinien zur Erfassung von Erwerbstätigkeit. Die
Größenordnung der Verfälschung ist beachtlich, hier die
Beispiele für die Jahresmittel 2006 und 2007.

Im Jahr 2006 waren von 44,49 Mio Erwerbspersonen rund
39,08 Mio Menschen erwerbstaetig und 5,41 Mio nicht
erwerbstaetig, so der Bericht. 4.487.000 wurden nach
offiziellen Angaben als arbeitslos gezaehlt. Damit
existierte 2006 eine Differnz von rund 923 Tsd Menschen die
nicht in den Statistiken auftauchen. Diese Menschen müßen
nun auch von der Zahl der Erwerbspersonen abgezogen werden.

Aber als Bezieher für das Jahr 2006 wurden im Mittel folgende
Zahlen angegeben:

ALG-I 1.445.224
ALG-II 5.392.166

Damit ergibt sich die Zahl der erwerbslosen ALG-I und -II-
Bezieher zu 6.837.390. Diese Zahl muß nun von der echten
Zahl der Erwerbspersonen abgezogen werden.

offiziell real
Erwerbspersonen 44,49 Mio 43,57 Mio
Erwerbstätige 39,08 Mio 36,73 Mio

Fazit: Die Zahl der Erwerbstätigen wird um 2,35 Mio zu
hoch angegeben, die Zahl der Erwerbspersonen um 923 Tsd,
siehe jedoch Abschnitt Arbeitslosenquote.

Im Jahr 2007 lag die Zahl der Erwerbspersonen nach dem
Jahresbericht der BA bei 44,43 Mio und die Erwerbstätigkeit
betrug 39,74 Mio. Im Jahresdurchschnitt waren in Deutschland
3.776.000 Menschen arbeitslos gemeldet. Das ergibt eine
Differenz von rund 914 Tsd. Damit wurden im Jahresmittel
rund 914 Tsd Menschen aus den Statistiken entfernt.

Aber als Bezieher für das Jahr 2007 wurden im Mittel folgende
Zahlen angegeben:

ALG-I 1.077.403
ALG-II 5.278.082

Damit ergibt sich die Zahl der erwerbslosen ALG-I und -II-
Bezieher zu 6.355.485. Diese Zahl muß nun von der echten
Zahl der Erwerbspersonen abgezogen werden.

offiziell real
Erwerbspersonen 44,43 Mio 43,52 Mio
Erwerbstätige 39,74 Mio 37,16 Mio

Fazit: Die Zahl der Erwerbstätigen wird um 2,58 Mio zu
hoch angegeben, die Zahl der Erwerbspersonen um 914 Tsd,
siehe jedoch Abschnitt Arbeitslosenquote.

Tabelle: Erwerbstätige nach verschiedenen Statistiken

Jahr offiziell real (*1) Destatis (*2)

2000 39,144 Mio
2001 39,20 Mio 39,209 Mio
2002 38,99 Mio 38,93 Mio 39,096 Mio
2003 38,72 Mio 38.19 Mio 38,631 Mio
2004 38,88 Mio 38.35 Mio 38,875 Mio
2005 38,85 Mio 37,97 Mio 38,726 Mio
2006 39,08 Mio 36,73 Mio 39,016 Mio
2007 39,74 Mio 37,16 Mio

(*1) Bis 2003 die jeweiligen, aktuellen Jahresberichte
der BA im Monat Dezember, 2004 wird die offizielle
Zahl mit der nachträglichen Manipulation 2003
(-530 Tsd) korrigiert. Ab 2005 ist der systematische
Fehler wie oben angegeben berechnet
(*2) Destatis 2007 Statistisches Jahrbuch 2007, Seite 79.

Damit war das Jahr 2006 das Jahr mit der niedrigsten
Erwerbstätigkeit seit der Wiedervereinigung. Der bis
dahin niedrigste Stand wurde 1997 mit 37,39 Mio
Erwerbstätigen erreicht. Dieser Stand wurde auch im
Jahr 2007 mit 37,16 Mio nicht wieder überschritten

*** Rechentipp ***

ALG1 = erwerbslose ALG-I-Bezieher laut BA
ALG2 = erwerbslose ALG-II-Bezieher laut BA
ALO = Arbeitslose nach BA-Meldungen
EWT = Erwerbstätige nach BA/Destatis

EWT real = EWT - ( ALG1 + ALG2 -ALO )

Hinweis: Diese Rechnung gilt erst ab 2005

******************

Arbeitslosenquote
=================

Die Arbeitslosenquote ist eine sehr schwammige Größe
und als solche nicht besonders aussagekräftig. Die Quote
wird idR, aus der Zahl der Arbeitslosen im Verhältnis zu
allen Erwerbspersonen berechnet. Alternativ dazu kann
man die Quote auf Basis aller sozialversicherungspflichtig
Beschäftigten rechnen. Der starke Rückgang dieser
Beschäftigungen würde jedoch zu unerwünscht großen
Quoten führen und wird deshalb nicht mehr angewendet.

Als Erwerbspersonen werden alle Menschen definiert die
dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen, also Erwerbstätige
und Arbeitslose. Damit gelten folgende Angaben:

EWP Erwerbspersonen
EWT Erwerbstätige
ALO Arbeitslose

EWP = EWT + ALO

Damit ergibt sich für die Quote folgende Rechnung:

ALO ALO
Quote = ----- = -----------
EWP EWT + ALO

In den vorherigen Abschnitten wurden die Hybschungen
der Erwerbstätigen- und Arbeitslosenzahlen breits
dargestellt. Real sah es im Mittel 2007 etwa so aus:

7,26 Mio
----------- = 16,3%
44,43 Mio

Arbeitslose: Erwerbslose ALG-I- und -II-Bezieher und
ein Aufschlag von ,,vergessenen Beziehern (900 Tsd).
Das sind Bezieher die wegen mangelnder Verwertbarkeit
von der BA nicht mehr als Arbeitslose sondern als
Altlasten betrachte werden. Dazu muessten auch noch
die Scheinaufstocker gezählt werden, das sind weitere
600 Tsd. Das ergäbe dann eine Quote von 17,7%.

Anmerkung: Die rausgerechnten 900 Tsd tauchen in der
Zahl der Erwerbspersonen auf, nicht jedoch in der Zahl
der Arbeitslosen und der ALG-II-Bezieher. Bei obiger
Rechnung habe ich sie in beide Zahlen mit einbezogen.
Man kann sie alternativ auch aus beiden Zahlen weglassen
und erhält dann eine geringere Quote:

6,36 Mio
----------- = 14,6%
43,52 Mio

Diese Rechnung ist zwar auch konsistent, aber sie ist
keine brauchbare Beschreibung der Realität, da sie
Erwerbslose ausblendet die wegen des schlechten Marktes
keine Chancen mehr haben. Mit diesem Ansatz könnte man
jeden Arbeitslosen als unverwertbar deklarieren, aus
der Statistik gestrichen und hätte eine Quote von 0,0%.

Für das Jahr 2007 liegen noch keine Daten vor, aber für
2006 wurden 26.354.336 sozialversicherungspflichtig
Beschäftigte angeben, die reale Arbeitslosigkeit lag 2006
bei rund 8,1 Mio. Das ergäbe eine unerwünscht hohe Quote
von 23,5%, bezogen auf die sozialversicherungspflichtig
Beschäftigten. Damit ist leicht ersichtlich warum diese
Bezugsgröße nicht mehr verwendet wird.

*** Rechentipp ***

Ignorieren sie zuerst alle Quoten, rechnen sie immer
zuerst die Zahlen und dann am Ende, so überhaupt nötig,
die Quoten aus.

******************