Neues aus dem Stuttgarter Ehrenamtl. Jobpaten für Arbeitslose-Projekt

Neues aus dem Stuttgarter Ehrenamtl. Jobpaten für Arbeitslose-Projekt

Arbaitslos (2006-11-29 15:44:03)


Neues aus dem Stuttgarter Ehrenamtl. Jobpaten für Arbeitslose-Projekt

"Heinz D. Trost" (2006-11-29 15:44:03)

Sodele, für gestern waren wir eingeladen zu einem Fachgespräch
"Bewerbungsunterlagen - Tips vom Praktiker" im Rathaus.
Referent war ein Personalchef einer privaten Krankenversicherung.
Da waren die maximal in den Raum passenden 18 Arbeitslosen plus der
reizenden und agilen Projektleiterin.
Der Personalchef stellte sich kurz vor, er zeigte an einigen
mitgebrachten Beispielen, wie Bewerber es nicht machen sollen.

Und er stellte klar, daß das, was er sage, für ihn und aus seiner
Ansicht heraus gelte, er jedoch nicht für andere Personalentscheider
sprechen könne.

So entwickelte sich ein munteres Gespräch, das nur zeitweise durch einen
Sprachbehinderten gebremst wurde, der immer wieder versuchte, dem
Referenten einen für alle Personalentscheider gültigen Tip aus der Nase
zu ziehen, wie und ob man denn eine leichte Sprachbehinderung in den
Bewerbungsunterlagen angeben solle.

Der Referent riet dazu, bei Angaben ehrlich zu sein. Er jedenfalls wäre
stinksauer, wenn erst im Bewerbungsgespräch oder gar in der Probezeit
eine Lüge herauskäme. Zudem sei es, nach seiner Ansicht, heute kein
Makel mehr, Phasen von Arbeitslosigkeit im Lebenslauf einfach zuzugeben.

Wichtige Zeugnisse sollten lückenlos beigefügt, fehlende im Lebenslauf
kurz begründet werden. Ob das Bild aus dem Fotoautomaten, oder vom
Fotografen sei, sei ihm egal. Es solle nur ein Paßbild sein, keines mit
einer Freizeitlandschaft drumherum oder so.
Er selbst würde bei jeder Bewerbung das Bild eh erstmal abdecken, um die
Bewerbung vorurteilsfreier lesen zu können.
Ob ein Bild echt oder eingescannt sei, wäre ihm gleich, wenn der Scan
sauber ist.

Für ihn ist das Bewerbungsschreiben der Bewerbungsteil, den er zuerst
lese,- sei das schon mies, dann länden die kompletten Unterlagen gleich
auf dem Rücksendestapel.
Auch ungelesen zurück geht alles, wo schon in Anschrift, oder im Namen
des Ansprechpartners Fehler auftauchen. Auch "Null-acht-fünfzehn"
Anschreiben, die gleich merken lassen, daß der Bewerber sich nicht
wirklich Mühe gab, auf die Wünsche der Firma einzugehen, führen bei ihm
zur Absage. Zu oft werde der selbe Text an verschiedene Arbeitgeber
geschickt, - und dann nur Adresse und Ansprechpartner geändert,- und
nicht selten nicht einmal das richtig.

Bewerbungsunterlagen sollten (mit Ausnahme der Kurzbewerbung, die ja nur
aus Anschreiben und Lebenslauf bestehen sollte) nicht lose versandt
werden, sondern in irgendeinem Hefter, egal ob Schnellhefter oder
Klemm-Mappe. Folien können verwendet werden, wenn nicht alle X Blätter
in einer Folie stecken. Wenn, dann ein Blatt, oder Vor- und Rückseite
eines Blattes. Es soll lesbar und leicht durchzublättern sein, meinte
der Referent, denn kein Personaler könne pro Bewerbung zwei Stunden
aufwenden.

Zu Nachfragen meinte der Personalfachmann, man solle nach der Bewerbung
erstmal mindestens zwei Wochen mit einer Nachfrage warten. Bei ihm im
Betrieb würde erstmal 14 Tage lang nur Bewerbungen gesammelt, und dann
im Stapel angeguckt, um dranbleiben zu können.

Der Referent ermunterte auch zu Blindbewerbungen. Die lägen dann im
Körbchen, und wenn Personalbedarf entstünde, schaue er erstmal im
Körbchen nach, ob das evtl. eine passende Bewerbung vorläge. Das spare
u.U. der Firma einige Tausend Euro für ein Inserat. Und manchmal würde
zufällig eine Stelle frei und in der Tagespost landet eine passende
Blindbewerbung.

Der Referent meinte zudem, daß man die Angebote genau lesen, und sich
bewerben solle, wenn man wenigstens die dem Arbeitgeber wichtigen
Anforderungen erfüllen könne. Auch wenn manches Inserat die "eierlegende
Wollmilchsau" wünsche, so wisse jeder, daß es das nicht wirklich gäbe.

Fürs Bewerbungsgespräch wichtig sei, sich gut vorbereitet zu
präsentieren. Das heißt, man sollte präpariert sein, daß zu jeder Angabe
in den Bewerbungsunterlagen nachgefragt werden könne. Auch sollte man
spätestens da wissen, was die Firma macht, wo ihre Schwerpunkte, ihre
Erfolge sind, etc. Ganz klar: Pünktlich sein, lieber ein bißchen früher
kommen und nochmal um den Block laufen. Vorsicht auch beim Verhalten
dem/dergegenüber, der/die einen zum Bewerbungsgespräch abholt: Er
jedenfalls frage seine Sekretärin, wenn sie jemand abgeholt habe: "Und?"
Und dann sage sie, wie sie den Bewerber empfunden habe.
Daß Bewerber beim Vorstellungsgespräch mindestens anfangs nervös seien,
sei ganz normal und völlig ok.

Das Gespräch, auf 1:45 h terminiert, endete nach 2:12h, - da alles so
gut im Fluß war und die Projektleiterin erst in ihrer Dankrede am Schluß
erwähnte, daß nach uns das selbe Gespräch auch noch mit dem Referenten
und den geladenen ehrenamtlichen Jobpaten folge, und der Referent die
Flasche Wein erst danach bekäme.

Kurzum: Ich glaube, der Abend war für uns anwesende Arbeitslose
interessant und sicher hilfreich, auch wenn -natürlich- kein Königsweg
gezeigt werden konnte, da ja jeder Personalchef völlig frei entscheidet.

Doch wir kamen wieder einmal vom Rathaus,- und waren etwas klüger.
Schließlich gilt der alte Satz: "Man ist immer etwas klüger, wenn man
vom Rathaus kommt!"

Heinz