Juergen Braden schrieb:
[Heulsusenkram; da der rechtliche Aspekt offensichtlich nur als
"Aufhänger"
dient, x-post & fup nach de.soc.arbeit]
Ich habe eine Weile überlegt, ob ich zu diesem Gegreine etwas schreiben
soll. Aber wenn ich das unwidersprochen lasse, dann platze ich :-) Also denn:
Mein Einstieg in den Beruf vor 10 Jahren, in Zeiten katastrophaler
Konjunktur für meine Fachrichtung, erfolgte über eine
Zeitarbeitsfirma. Der
Arbeitsplatz, an dem ich eingesetzt wurde, war auch nicht gerade vom
Erfinder der Ergonomie gestylt worden. Und meine Arbeit bestand zu einem
großen Teil aus dem Sichten und Eingeben von Daten, die teilweise
fehlerhaft oder unvollständig waren :-)
Ich wäre allerdings nie auf die Idee gekommen, meinen Arbeitseinsatz durch
unangemessene Kleidung oder ähnliches zu torpedieren. Stattdessen habe ich
die Augen offen gehalten, wo immer es im Umfeld meines Arbeitsplatzes
möglich war, um vielleicht das eine oder andere dazuzulernen. Mit dem
Ergebnis, daß mir dann tatsächlich entsprechend höherwertige
Aufgaben
übertragen wurden.
Zwei Jahre später wurde dann in diesem Bereich überraschend eine
Ingenieursstelle frei, die ich bekommen habe. Heute bin ich in der
Position, in dieser Abteilung selbst über den Einsatz von
Fremdfirmenpersonal entscheiden zu dürfen :-)
Es kotzt mich offen gestanden an, wenn hier permanent über
Zeitarbeit/Arbeitnehmerüberlassung als moderne Sklavenhaltung lamentiert
wird. Ich bin in einem Bereich tätig, in dem strukturell bedingt sehr viel
Arbeit auf diesem Wege abgewickelt wird. Die Menschen, mit denen ich dort
zu tun habe, sind überwiegend sehr gut qualifizierte, begehrte,
selbstbewußte und dementsprechend gut bezahlte Spezialisten. Ich gebe
allerdings zu: Mit einer Einstellung, wie sie aus dem OP herauszulesen ist,
wäre man für diesen Job vermutlich eher nicht geeignet :->
Gruß aus dem Norden -
Ra"so, das mußte raus"lf
--
My animal photo page on the WWW: http://schmode.net
"Best of" portfolio: http://www2.fotocommunity.de/pc/pc.php4?mypics%4
My "adventure" of learning to ride: http://schmode.net/riding.htm
Mein "Abenteuer", Reiten zu lernen: http://schmode.net/reiten.htm
On Thu, 21 Dec 2006 21:12:57 +0100, Ralf Schmode wrote:
hallo Juergen,
>
> Ich wäre allerdings nie auf die Idee gekommen, meinen Arbeitseinsatz
durch
> unangemessene Kleidung oder ähnliches zu torpedieren. Stattdessen
habe ich
> die Augen offen gehalten, wo immer es im Umfeld meines Arbeitsplatzes
> möglich war, um vielleicht das eine oder andere dazuzulernen. Mit dem
> Ergebnis, daß mir dann tatsächlich entsprechend
höherwertige Aufgaben
> übertragen wurden.
Das kenne ich auch aus der Zeitarbeit, dies ist allerdings nicht
nur in Zeitarbeit zu finden. In den regulären Festanstellungen
auch. Ich bin durch meine Arbeitsweise an vielen Stellen mit weit
mehr Aufgaben betreut gewesen als ursprünglich gedacht. Um diesen
Effekt zu finden, brauchen wir also nicht Zeitarbeit.
> Zwei Jahre später wurde dann in diesem Bereich überraschend eine
> Ingenieursstelle frei, die ich bekommen habe. Heute bin ich in der
> Position, in dieser Abteilung selbst über den Einsatz von
> Fremdfirmenpersonal entscheiden zu dürfen :-)
Eben, Überraschend, was meinst du wie oft das überraschend
eigentlich vorkommt? Ich definiere es deutlich mit selten.
Dagegen passieren die schlechten Dinge, wie sehr schlechte Bezahlnug,
schlechte Arbeitsumgebung, Seelenverkäuferei, Verweigerung von
Bezahlung, rausschmiss nach Gutdünken etc... wesentlich häufiger.
Den Zeitarbeitern wird alle Nase lang vorgegaukelt, es kann ein
fester Arbeitsplatz draus werden und ander Versprechungen, eben
seltenst wird was draus. Das ist die wirkliche Realität.
Meist sind in Zeitarbeit die Kollegen den Leuten gegenüber
freundlich gesinnt, so kenne ich das. Hilft aber nicht, gegenüber
Vorgesetzten oder schlechten Betriebsklimen.
Von daher ist Zeitarbeit sehr kritisierwürdig, ja sogar
ablehnungswürdig.
> Es kotzt mich offen gestanden an, wenn hier permanent über
> Zeitarbeit/Arbeitnehmerüberlassung als moderne Sklavenhaltung
lamentiert
> wird. Ich bin in einem Bereich tätig, in dem strukturell bedingt sehr
viel
> Arbeit auf diesem Wege abgewickelt wird. Die Menschen, mit denen ich dort
Was heisst strukturell bedingt? Es gibt keine struktuelle
Bedingung, die das gerechtfertigt. Die Betriebe sind auf
ihre bestimmte Weise organisiert. Das ist Menschen gemacht.
Und Menschen haben die Möglichkeit zu organisieren, zu
struckturieren. Und auch vorherchende Dinge zu ändern.
Den schwarzen Peter auf "Struckturen" zurückzuführen, ist
Augenwischrei und soll vom den Problemen ablenken.
> zu tun habe, sind überwiegend sehr gut qualifizierte, begehrte,
> selbstbewußte und dementsprechend gut bezahlte Spezialisten. Ich
gebe
Im ernst, die Spezialisten, können sogar besser
arbeiten, wenn vernünftigere Arbeitsstruckturen
vorliegen. Daran haperts nämlich, an die Anwendung
von Vernunft in der Arbeitswelt.
Auch ich kenne Fälle da hat Zeitarbeit jemanden in festen Arbeitsvertrag
gekriegt, das kommt, in Minijobs, Midijobs, Praktikas, ja sogar in
1 Euro-Zwangsarbeit, sogar arbeiten für lau, vor. Also ebenso
kein Zeugniss für Zeitarbeit. Ich denke, mit einer
Stellenofferte hätte auch dein Platz einen guten Mitarbeiter
gefunden, wenn denn gewollt.
Sicherlich mag es Bereiche geben, wo Aushilfen nötig sind.
Es gibt dafür Schüler (Ferien), Studenten etc. Vollzeitjobs in
Zeitarbeit umzuwandeln, was sehr häufig gemacht wird, sind
klare Lohndrückerein bzw. verweigerung von festen Verträgen.
Ansonsten, :-)
Bye, Volker
--
Meine Webseite heisst nun: www.wohlverdientes.de
diese ist gekuendigt: www.ifk-pinguin.de
.......
http://usenet-abc.de | www.wasg-duesseldorf.de
Volker Hauke:
>> Ich bin in einem Bereich tätig, in dem strukturell bedingt sehr
viel
>> Arbeit auf diesem Wege abgewickelt wird. Die Menschen, mit denen ich
dort
>
> Was heisst strukturell bedingt? Es gibt keine struktuelle
> Bedingung, die das gerechtfertigt.
Doch die gibt es. Ok ist jetzt schon ein Jahrzehnt her oder so also
irgendwann Anfang/Mitte der 90er. Kunde erweiterte Auftrag um eine ganze
Region. Das Auftragsvolumen verdoppelte sich dadurch zur Probe um 100
Prozent. Das Personalvolumen dadurch um ebenfall 100 Prozent. Klappt die
Expansion nicht und der Auftrag wird wieder entzogen, dann sitzt man auf
den Gehältern von dem doppelten Personal, aber ohne Auftrag. Klappt es,
dann auf längere Sicht, dann sind die Personalkosten das geringste
Problem. Trotz Radio-, Zeitungs- und sonstiger Werbung, war es damals
nicht möglich innerhalb eines Monats genügend Personal aufzutreiben.
Zeitarbeitsfirmen waren da eine von vielen Möglichkeiten die genutzt
wurden. Je stabiler die Auftragslage durch den Kunden wurde, desto mehr
ging der Zeitarbeitsfirmenpersonalanteil zurück. Zum Schluss waren 400
Leute mit Aushilfskräften direkt beim Unternehmen beschäftigt, das
Unternehmen hatte aber nur einen Großkunden und der Großkunde
entschloss
sich 2001 den Auftrag zu kündigen. Folge war Insolvenz des Unternehmens,
da die Personalkosten nicht getragen werden konnten.
Kurz und gut ein Kunde hat bei Auftragsvergabe und Auftragsentzug keine
anderen Fristen, als die bei Auftragserteilung vereinbart wurden und wenn
er morgen auf dem Markt einen billigeren Anbieter findet, dann ist er je
nach Vertragsgestaltung nach 4 Wochen bis 3 Monaten weg. Wenn das sonstige
Auftragsvolumen nur die Personalkosten von 5 bis 20 Leuten trägt, dann
hat man einen Personalüberhang von 380 Leuten, wären das
Zeitarbeitsleute gewesen, dann gäbe es das Unternehmen wohl noch, so ist
es schlicht in Insolvenz gegangen.
Grüße,
Arnold
"Ralf Schmode" schrieb im Newsbeitrag
news:emepqv$q6a$03$1@news.t-online.com...
> Juergen Braden schrieb:
>
> [Heulsusenkram; da der rechtliche Aspekt offensichtlich nur als
"Aufhänger"
> dient, x-post & fup nach de.soc.arbeit]
>
> Ich habe eine Weile überlegt, ob ich zu diesem Gegreine etwas
schreiben
> soll. Aber wenn ich das unwidersprochen lasse, dann platze ich :-) Also
denn:
>
Hallo,
nun das hat aber nicht damit zu tuen das in diesem fall eine Zeitarbeitkraft
" Vorzätzlich falche Daten " eingeben muste.
Ralf Schmode wrote:
> Es kotzt mich offen gestanden an, wenn hier permanent über
> Zeitarbeit/Arbeitnehmerüberlassung als moderne Sklavenhaltung
> lamentiert wird.
Zeitarbeit ist moderne Sklavenhaltung. Zumindest für die Leute
die nicht studiert haben.
> Ich bin in einem Bereich tätig, in dem strukturell bedingt sehr viel
> Arbeit auf diesem Wege abgewickelt wird.
Ich ebenfalls. In dem Betrieb in dem ich eingesetzt bin werden
Zeitarbeiter deswegen eingesetzt weil diese in unserem gelobten
Land keinerlei Rechte haben und auch dementsprechend behandelt.
> Die Menschen, mit denen ich dort zu tun habe, sind überwiegend sehr
> gut qualifizierte, begehrte, selbstbewußte und dementsprechend gut
> bezahlte Spezialisten.
Bei uns sind viele deutlich besser qualifiziert als es für diese Art
der Arbeit nötig wäre, die meisten auch insofern begehrt dass diese
immer wieder namentlich angefordert werden. Aber selbstbewußt und gut
bezahlt ist bei uns keiner, denn Facharbeiter in der Zeitarbeits-
branche gelten in Deutschland per default als minderwertiges Ungeziefer
und werden dementsprechend behandelt. Ich hab noch keinen Betrieb
kennen gelernt in dem man als Zeitarbeiter anständig behandelt wird.
Hass, Diskriminierung, Druck, herabwürdigende Kritik, sind tägliche
Erfahrungen. Anerkennung gibt es gar nicht. Weder monetär noch dass
gute Leistungen mal entsprechend gewürdigt werden. Das alles was im
GG geschrieben steht ist aus Zeitarbeitersicht der blanke Hohn.
> Ich gebe allerdings zu: Mit einer Einstellung, wie sie aus dem OP
> herauszulesen ist, wäre man für diesen Job vermutlich eher nicht
> geeignet :->
Um als Zeitarbeiter glücklich zu werden muss man masochistisch
veranlagt sein.
Volker Hauke schrieb:
> On Thu, 21 Dec 2006 21:12:57 +0100, Ralf Schmode
wrote:
>
>> Stattdessen habe ich
>> die Augen offen gehalten, wo immer es im Umfeld meines Arbeitsplatzes
>> möglich war, um vielleicht das eine oder andere dazuzulernen. Mit
dem
>> Ergebnis, daß mir dann tatsächlich entsprechend
höherwertige Aufgaben
>> übertragen wurden.
>
> Das kenne ich auch aus der Zeitarbeit, dies ist allerdings nicht
> nur in Zeitarbeit zu finden. In den regulären Festanstellungen
> auch.
Hallo, Volker,
ich wollte auch nicht behaupten, daß es das in Festanstellungen nicht
gibt.
Ich wollte nur mal die hier permanent zu lesende Behauptung
"gegendarstellen", Zeitarbeit sei als Sprungbrett in eine
Festanstellung im
allgemeinen und bei "Überqualifizierten" im besonderen per se
wertlos.
Bekanntlich gilt eine generelle Negativaussage schon durch ein
Gegenbeispiel als widerlegt ;-)
>> Zwei Jahre später wurde dann in diesem Bereich überraschend
eine
>> Ingenieursstelle frei, die ich bekommen habe. Heute bin ich in der
>> Position, in dieser Abteilung selbst über den Einsatz von
>> Fremdfirmenpersonal entscheiden zu dürfen :-)
>
> Eben, Überraschend, was meinst du wie oft das überraschend
> eigentlich vorkommt? Ich definiere es deutlich mit selten.
Dann habe ich mich verkehrt ausgedrückt: "Überraschend" war
der plötzliche
Weggang meiner damaligen Scheffin. *Nicht* überraschend war, daß ich
dann
diese Aufgabe angeboten bekam. Ich habe durchaus darauf hingearbeitet,
einmal diese Position bei diesem Arbeitgeber oder einem anderen(!)
übernehmen zu können. Dazu war es allerdings notwendig, über den
Tellerrand
meines Tagesgeschäftes (bzw. des Jobs, für den ich eigentlich
"ausgeliehen"
war) hinauszuschauen. Allerdings muß ich auch zugeben, daß ich
Vorgesetzte
in der entleihenden Firma hatte, die meine Bemühungen, meinen Horizont zu
erweitern, sehr wohlwollend begleitet haben.
> Dagegen passieren die schlechten Dinge, wie sehr schlechte Bezahlnug,
> schlechte Arbeitsumgebung, Seelenverkäuferei, Verweigerung von
> Bezahlung, rausschmiss nach Gutdünken etc... wesentlich
häufiger.
> Den Zeitarbeitern wird alle Nase lang vorgegaukelt, es kann ein
> fester Arbeitsplatz draus werden und ander Versprechungen, eben
> seltenst wird was draus. Das ist die wirkliche Realität.
Naja, das liegt irgendwo auch in der Natur der Sache - wenn die
entleihenden Firmen der Auffassung wären, mit Vorteil fest angestelltes
Personal einsetzen zu können, würden sie es tun. Anders herum: Man
setzt
deshalb Leiharbeitnehmer ein, weil man sich davon einen Vorteil verspricht.
Aber das ändert nichts daran, daß eine gewisse Durchlässigkeit
in Richtung
Festanstellung gegeben zu sein scheint. Und, darauf wollte ich hinaus, von
dieser profitieren dann vermutlich nicht die, die schon am ersten
Arbeitstag beim Entleiher alles daran setzen, nicht wieder bestellt zu
werden :->
>> Es kotzt mich offen gestanden an, wenn hier permanent über
>> Zeitarbeit/Arbeitnehmerüberlassung als moderne Sklavenhaltung
lamentiert
>> wird. Ich bin in einem Bereich tätig, in dem strukturell bedingt
sehr viel
>> Arbeit auf diesem Wege abgewickelt wird. Die Menschen, mit denen ich
dort
>
> Was heisst strukturell bedingt? Es gibt keine struktuelle
> Bedingung, die das gerechtfertigt.
Doch, die gibt es. Es gibt Betriebe, da wird einmal im Jahr das
Betriebspersonal durch die mehrfache Anzahl(!) betriebsfremder Personen
ergänzt, um Wartungsarbeiten vorzunehmen. Über Festanstellungen beim
Betrieb selbst läßt sich das nicht mehr sinnvoll organisieren.
Dieses
Wartungspersonal ist dann bei entsprechenden Dienstleistern fest
angestellt, die die Mitarbeiter in der Regel nach AÜG beistellen - andere
Konstruktionen wie Werkverträge sind aufgrund juristischer Erwägungen
(Verantwortlichkeit) nur sehr selten möglich.
> Den schwarzen Peter auf "Struckturen" zurückzuführen,
ist
> Augenwischrei und soll vom den Problemen ablenken.
Ach was. In dem Bereich, den ich meine, gibt es zwar immer wieder mal
"Probleme", aber der Einsatz von AN nach AÜG gehört
bestimmt nicht dazu.
>> zu tun habe, sind überwiegend sehr gut qualifizierte, begehrte,
>> selbstbewußte und dementsprechend gut bezahlte Spezialisten. Ich
gebe
>
> Im ernst, die Spezialisten, können sogar besser
> arbeiten, wenn vernünftigere Arbeitsstruckturen
> vorliegen. Daran haperts nämlich, an die Anwendung
> von Vernunft in der Arbeitswelt.
Die "Vernunft in der Arbeitswelt" gebietet gerade diese Konstruktion.
Und,
um noch einen draufzusetzen, ich kenne mehrere Fälle von Kollegen, denen
eine Festanstellung beim Entleiher angeboten wurde und die diese abgelehnt
haben, weil die Tätigkeit als "Sklave" für diese Kollegen
finanziell
attraktiver oder anderweitig interessanter war :->
> Auch ich kenne Fälle da hat Zeitarbeit jemanden in festen
Arbeitsvertrag
> gekriegt, das kommt, in Minijobs, Midijobs, Praktikas, ja sogar in
> 1 Euro-Zwangsarbeit, sogar arbeiten für lau, vor. Also ebenso
> kein Zeugniss für Zeitarbeit. Ich denke, mit einer
> Stellenofferte hätte auch dein Platz einen guten Mitarbeiter
> gefunden, wenn denn gewollt.
Hätte er sehr wahrscheinlich. Aber diese Stelle habe ich gekriegt, weil
ich
mich in meiner "Sklavenzeit" ein wenig am Riemen gerissen habe.
Deshalb
kommt mir die Galle hoch, wenn hier Leute aufschlagen und in leutseligem
Ton dahinschwätzen, sie hätten eigentlich schon am ersten Tag bei
ihrem
Entleiher keinen Bock mehr gehabt und versucht, ihre Zeit bei diesem
Entleiher abzukürzen. Um diese Kurve zu kriegen: So einen MA könnte
ich mir
durchaus als jemanden vorstellen, der am nächsten Tag besoffen,
ungewaschen
und unrasiert zum Dienst kommt und auf dem Flur erst mal die Kollegen
anpöbelt ;-)
> Sicherlich mag es Bereiche geben, wo Aushilfen nötig sind.
> Es gibt dafür Schüler (Ferien), Studenten etc.
"Aushilfen" sind wieder eine etwas andere Baustelle - nicht jede
AÜG-Kraft
ist eine Aushilfe, und erst recht ist nicht jede Aushilfe eine AÜG-Kraft.
Bei "Aushilfen" ist die Möglichkeit zur Übernahme in eine
Festanstellung
möglicherweise schon deshalb schlechter, weil der MA, dessen Fehlen durch
die Aushilfe kompensiert werden soll, vermutlich irgendwann wiederkommen
will. Hinter dessen Job sollte man also als AÜG-Kraft eher nicht her sein,
wenn man auf eine spätere Festanstellung spekuliert :-)
> Vollzeitjobs in
> Zeitarbeit umzuwandeln, was sehr häufig gemacht wird, sind
> klare Lohndrückerein bzw. verweigerung von festen Verträgen.
Es *kann* eines oder beides sein, richtig. Aber es kann ebensogut sein,
daß
sich ein AG lieber einen (für ihn u. U. teureren) Leiharbeitnehmer ans
Bein
bindet als einen Festangestellten mit vollumfänglichem
Kündigungsschutz.
Und auch das habe ich schon erlebt: Totale Blindgänger, bei denen man froh
sein konnte, sie über AÜG bestellt zu haben und somit schnell wieder
loswerden zu können - solche Figuren können in Festanstellung
nämlich auch
schon mal ein Sargnagel ihres Betriebes werden, und damit ist letztlich
keinem geholfen.
> Ansonsten, :-)
Genau ;-)
Servus und schöne Festtage -
Ralf
--
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On Fri, 22 Dec 2006 11:21:13 +0100, Arnold Schiller
wrote:
>
>>> Ich bin in einem Bereich tätig, in dem strukturell bedingt
sehr viel
>>> Arbeit auf diesem Wege abgewickelt wird. Die Menschen, mit denen
ich dort
>>
>> Was heisst strukturell bedingt? Es gibt keine struktuelle
>> Bedingung, die das gerechtfertigt.
>
> Doch die gibt es. Ok ist jetzt schon ein Jahrzehnt her oder so also
> irgendwann Anfang/Mitte der 90er. Kunde erweiterte Auftrag um eine ganze
> Region. Das Auftragsvolumen verdoppelte sich dadurch zur Probe um 100
> Prozent. Das Personalvolumen dadurch um ebenfall 100 Prozent. Klappt die
> Expansion nicht und der Auftrag wird wieder entzogen, dann sitzt man auf
> den Gehältern von dem doppelten Personal, aber ohne Auftrag. Klappt
es,
Diese Sache sehe ich als Bestätigung meiner Meinung. Sicher es
gibt Bereiche, wo kurzfristig viel Arbeit da ist. Auch Weihnachten-
verkaufbuden, Ärztedemos ;-), die sind aber nicht die Regel.
Der Rest ist Organisation, deine Angesprochene anschliessende Insolvenz
zeigt auf, wozu Zeitarbeit auch gebraucht werden kann, fals es
nicht klappt, sind die Leute schnell wieder weg. Die Unternehmen
können schnell und mal eben was aus dem Boden stampfen und wenn
nicht klappt auch egal. Da fehlt langfristiges Denken, das würde
erst Sicherheit beim Wirtschaften bringen. Ex und hopp ist keine
Lösung.
Bye, Volker
Volker Hauke:
> On Fri, 22 Dec 2006 11:21:13 +0100, Arnold Schiller
> wrote:
>>
>>>> Ich bin in einem Bereich tätig, in dem strukturell
bedingt sehr viel
>>>> Arbeit auf diesem Wege abgewickelt wird. Die Menschen, mit
denen ich
>>>> dort
>>>
>>> Was heisst strukturell bedingt? Es gibt keine struktuelle
Bedingung,
>>> die das gerechtfertigt.
>>
>> Doch die gibt es. Ok ist jetzt schon ein Jahrzehnt her oder so also
>> irgendwann Anfang/Mitte der 90er. Kunde erweiterte Auftrag um eine
>> ganze Region. Das Auftragsvolumen verdoppelte sich dadurch zur Probe
um
>> 100 Prozent. Das Personalvolumen dadurch um ebenfall 100 Prozent.
>> Klappt die Expansion nicht und der Auftrag wird wieder entzogen, dann
>> sitzt man auf den Gehältern von dem doppelten Personal, aber ohne
>> Auftrag. Klappt es,
>
> Diese Sache sehe ich als Bestätigung meiner Meinung. Sicher es gibt
> Bereiche, wo kurzfristig viel Arbeit da ist. Auch Weihnachten-
> verkaufbuden, Ärztedemos ;-), die sind aber nicht die Regel. Der Rest
> ist Organisation, deine Angesprochene anschliessende Insolvenz zeigt
> auf, wozu Zeitarbeit auch gebraucht werden kann, fals es nicht klappt,
> sind die Leute schnell wieder weg. Die Unternehmen können schnell und
> mal eben was aus dem Boden stampfen und wenn nicht klappt auch egal. Da
> fehlt langfristiges Denken, das würde erst Sicherheit beim
Wirtschaften
> bringen. Ex und hopp ist keine Lösung.
Wenn du in einem Call-Center anrufst, ob das jetzt
"Mickymaus-Support"
oder "Paketboten bestellen" ist, ist dir dann bewusst, dass du in
Irland
oder Indonesien landen kannst? Das die Litho deiner Zeitung in Singapur
erstellt wird? Wenn einer anfängt Teilarbeiten im Ausland aus
Kostengründen produzieren zu lassen, dann ziehen die anderen gnadenlos
nach, weil sie sonst mit dem Preisniveau des direkten Konkurrenten nicht
mithalten können. United Parcel Service hat sein Call-Center anfang der
90er von München nach Dublin verlegt. Alle anderen Münchner
Call-Center
sind Stück für Stück weggezogen. Ein Grossteil davon nach
Ostdeutschland und Telegate hat dann gleich bei seiner Gründung die
Call-Center im Ostdeutschland aufgemacht und nur die Unternehmenszentrale
in München belassen. Das hat nichts mit Ex und hopp zu tun, sondern mit
Markt und Wettbewerb. Den Leuten ist es egal, ob die Zeitungslithographie
aus Singapur oder San Francisco geliefert wird und selbst beim
Telefonanruf, verlangen sie eigentlich nur, dass da deutsch gesprochen
wird, wo die Telefonzentrale sitzt ist ihnen egal. Und wenn der Support in
Frisco sitzt, dann ist das auch egal, Hauptsache 24-Stunden-Support.
In der Zwischenzeit sitzen die Call-Center schon in den Phillipinen.
Nur die VerklopperoutboundAdressverifizierungs-Geschichten, die finden
wohl noch in Deutschland statt, aber auch nicht immer. Tja und der
Techniker vor Ort, den braucht es wohl auch noch in Deutschland, aber wie
oft bestellst du einen Techniker oder Handwerker? Folglich ist es
einfacher das Gerät gleich abzuholen, statt vor Ort zu reparieren, ob das
die Waschmaschine oder sonst was ist und für ein Austauschgerät
brauchts
auch keinen Techniker mehr, sondern nur bessere Möbelschlepper und das
dann auch nur Stundenweise, für den Fall...
Den Markt wird man nicht ändern können, denn der Markt wird vom
Kunden
bestimmt und da ist der Kunde unerbittlich, der weil die beste Leistung
zum günstigsten Preis. Der will seine Maschine auch gar nicht repariert
haben, der will einfach nur eine funktionierende Maschine, wenn der
Hersteller das mit Austausch macht, dann ist der Kunde sogar noch happy
und prallt damit, dass der Hersteller xyz das Gerät abc sofort
ausgetauscht hat und billig war es ja ausserdem noch, der Telefonanruf
nach Indonesien oder was, ist ihm genauso wenig aufgefallen, wie dass der
UPS-Fahrer, der das Austauschgerät brachte, von Dublin losgeschickt wurde.
Grüße,
Arnold