Endsieg gegen die Arbeitslosigkeit?
Die Presse jubelt, unsere Politkaste ueberschlaegt sich vor
Freude! Nur noch 3,687 Mio Arbeitslose! Wir sind auf dem Weg
zum totalen Endsieg gegen die Arbeitslosigkeit. Aber was steckt
wirklich hinter den Zahlen? Auf 51 Seiten veroeffentlichte die
BA fuer den Monat Juni 2007 viel wissenswertes. Sehen wir uns
den furiosen Erfolg einfach mal an.
Arbeitslose in in aktiven Arbeitsmarkpolitischen Massnahmen
stecken werden nicht als Arbeitslos gezaehlt. Die BA hat
1.567.326 AL angegeben. Und das ist noch nicht alles. Die
Zahlen der Optionskommunen sind darin nicht enthalten.
Nach dem IAB Forschungsbericht 2/2007 ueber die sozialen
Arbeitsgelegenheiten ist das Verhaeltnis etwa 24%/76%.
Damit muessen rund 31% zu den BA-Zahlen dazugezaehlt werden.
Auf die Optionskommunnen entfallen nach dieser Rechnung
486 TSD nicht gezaehlte Arbeitslose. Damit hat man ueber
2 Mio AL in diesen Massnahmen.
Des weiteren werden aeltere AL in der 58+ Regelung nicht
als arbeitslos gezaehlt. Der Bestand war im Jahr 2005 etwas
ueber 230 TSD, neuere Zahlen liegen leider noch nicht vor.
Kurzarbeiter sind ebenfalls nicht so richtig arbeitslos,
auch sie werden nicht gezaehlt. Im Maerz 2007 waren rund
144 Tsd Kurzarbeiter gemeldet.
Zaehl man nun alles zusammen kommt man auf rund 6,061 Mio
Arbeitslose. Die BA gibt 977.757 Bezieher im Rechtskreis
SGB III (Alg 1) und 5.109.009 Bezieher im Rechtskreis
SGB II (Alg II) an. Das ist eine Summe von 6.086.766
Beziehern. Damit haben wir bei der BA etwas ueber 6 Mio
arbeitslose Bezieher gemeldet. Unsere Rechnung scheint zu
stimmen.
Dazu kommen noch die nicht erfassten Arbeitslosen die keine
Leistungen erhalten da Partnereinkommen angerechnet werden
werden oder noch eigenes ,,Vermoegen vorhanden ist. Fuer
das Jahr 2005 lag der Wert etwa bei 1,4 Mio und er ist nach
den letzten Gesetzesaenderungen mit Sicherheit nicht gesunken.
Ein Teil dieser Betroffenen meldet sich jedoch arbeitssuchend
bei der BA. So wird der Bestand der Arbeitssuchenden mit
7.023.737 angegeben. Es melden sich also rund eine Mio
Arbeitslose ohne Bezuege trotzdem bei der BA.
Sieht so ein Endsieg gegen die Arbeitslosigkeit aus?
MfG
Uwe Borchert
On 2007-06-28, Uwe Borchert wrote:
>
> Die Presse jubelt, unsere Politkaste ueberschlaegt sich vor
> Freude! Nur noch 3,687 Mio Arbeitslose! Wir sind auf dem Weg
> zum totalen Endsieg gegen die Arbeitslosigkeit. Aber was steckt
> wirklich hinter den Zahlen? Auf 51 Seiten veroeffentlichte die
> BA fuer den Monat Juni 2007 viel wissenswertes. Sehen wir uns
> den furiosen Erfolg einfach mal an.
>
> Arbeitslose in in aktiven Arbeitsmarkpolitischen Massnahmen
> stecken werden nicht als Arbeitslos gezaehlt.
Und wie haben sich die Anzahlen der Teilnehmer in diesen
und den weiteren Maßnahmen, die Du als Schönrechnerei darstellst,
gegenüber dem letzten Monat geändert?
Grüße,
Florian
Florian Laws schrieb:
> On 2007-06-28, Uwe Borchert wrote:
>> Die Presse jubelt, unsere Politkaste ueberschlaegt sich vor
>> Freude! Nur noch 3,687 Mio Arbeitslose! Wir sind auf dem Weg
>> zum totalen Endsieg gegen die Arbeitslosigkeit. Aber was steckt
>> wirklich hinter den Zahlen? Auf 51 Seiten veroeffentlichte die
>> BA fuer den Monat Juni 2007 viel wissenswertes. Sehen wir uns
>> den furiosen Erfolg einfach mal an.
>>
>> Arbeitslose in in aktiven Arbeitsmarkpolitischen Massnahmen
>> stecken werden nicht als Arbeitslos gezaehlt.
>
> Und wie haben sich die Anzahlen der Teilnehmer in diesen
> und den weiteren Maßnahmen, die Du als Schönrechnerei
darstellst,
> gegenüber dem letzten Monat geändert?
>
> Grüße,
>
> Florian
Ganz einfach, Monat für Monat tauchen AL in Umschulungen, in
Zeitarbeitsfirmen kurzfristig ab oder verschwinden nach ALG2.
Ebenso erreichen ein kleiner Teil der Langzeitarbeitslosen jeden Monat
das Rentenalter, um dann nicht mehr bei der BA als arbeitslos gemeldet
zu sein. Das schönt ebefalls die Statistiken.
Für ein halbes Jahr gewährt man den Jüngeren einen 2 Euro Job
und er
wird bei der BA nicht mehr als arbeitssuchend geführt.
Dazu kommt, das private Jobvermittler AL langfristig auch ins
nahegelegene Ausland vermitteln.
Gäbe es ALG2 nicht, sondern wie bisher die Arbeitslosenhilfe und danach
die Sozialhilfe, wäre die Zahl der Bezieher um ca 10% niedriger. Weil
man aber die Obdachlosen besser kontrollieren wollte, machte man die
meisten von ihnen seßhaft und zu Alg2 + Wohngeldbeziehern ohne das sie
für den Arbeitsmarkt irgendwie von Nutzen wären.
In letzten Jahr konnten gerade mal ca. 28.000 Langzeitarbeitslose aus
ALG2 in einen Job vermittelt werden. Imho hatte da die BA den geringsten
Vermittlungsanteil, obwohl sie sich dafür auf die Schulter klopft.
Friedrich
Florian Laws wrote:
> On 2007-06-28, Uwe Borchert wrote:
>
>>Die Presse jubelt, unsere Politkaste ueberschlaegt sich vor
>>Freude! Nur noch 3,687 Mio Arbeitslose! Wir sind auf dem Weg
>>zum totalen Endsieg gegen die Arbeitslosigkeit. Aber was steckt
>>wirklich hinter den Zahlen? Auf 51 Seiten veroeffentlichte die
>>BA fuer den Monat Juni 2007 viel wissenswertes. Sehen wir uns
>>den furiosen Erfolg einfach mal an.
>>
>>Arbeitslose in in aktiven Arbeitsmarkpolitischen Massnahmen
>>stecken werden nicht als Arbeitslos gezaehlt.
>
>
> Und wie haben sich die Anzahlen der Teilnehmer in diesen
> und den weiteren Maßnahmen, die Du als Schönrechnerei
darstellst,
> gegenüber dem letzten Monat geändert?
Der nun folgende Schaetzwert von 31% ist von der IAB und nach
deren Rechnungen mehrfach ueberprueft. Er gibt das Verhaeltnis
von AL bei der BA und in den Optionskommunen an.
Quelle:
IAB Forschungsbericht 2/2007 ueber ,,Soziale Arbeitsgelegenheiten
Hier die Zahlen:
BA Optionskommunen Summe (geschaetzt
(geschaetzt, BA * 31%) BA * 131%)
Mai 2007 1.476.553 457.731 1.934.284
Juni 2007 1.567.326 485.871 2.035.197
Macht also ein Plus von rund 100 Tsd AL in dieser Rechnung. Siehe
auch SGB II § 16(2 und 3). Damit bleiben von den sagenhaften
125 Tsd weniger Arbeitslose nur noch 25 Tsd uebrig. Das ist nicht
mehr so viel.
Und wenn man nun die Demografie beruecksichtig sieht es noch
uebler aus. Laut OECD verlassen in D rund 150 Tsd mehr Menschen
im Jahr den Arbeitsmarkt durch das Entkommen in den Ruhestand
als junge Menschen ins Erwerbsleben treten. Das sind monatlich
rund 12 bis 13 Tsd. Huch! Da bleibt ja fast nix mehr uebrig?
Und diese Entlastung des Arbeitsmarktes wird sicher noch geringer
wenn wir uns die Migrationsbilanzen fuer D ansehen. Leider sind
diese noch lange nicht erhaeltlich.
MfG
Uwe Borchert
Hallo,
Friedrich Bartel wrote:
...[...]...
> Ganz einfach, Monat für Monat tauchen AL in Umschulungen, in
> Zeitarbeitsfirmen kurzfristig ab oder verschwinden nach ALG2.
Diese Zahlen sind fuer die BA bekannt und muessen nur noch auf
die Optionskommunen umgerechnet werden. Die IAB hat das in ihrem
Forschungsbericht 2/2007 am Beispiel EEJ durchgezogen und kommt
dabei auf 31%.
> Ebenso erreichen ein kleiner Teil der Langzeitarbeitslosen jeden
> Monat das Rentenalter, um dann nicht mehr bei der BA als arbeitslos
> gemeldet zu sein. Das schönt ebefalls die Statistiken.
Die Nettobilanz lag in den letzten Jahren bei rund 150 TsD/Jahr,
so die OECD. Aber Vorsicht! Wer einen Blick in die Bevoelkerungs-
pyramide wirft wird etwas nettes finden. Die Jahrgaenge wurden
nach 1941 immer duenner, 1945 war ein Minima mit rund 750 Tsd weit
unter der heutigen Jahrgangszahlen. Damit wird irgendwann mal, je
nach Renteneintrittsalter, in den naechsten 2 oder 3 Jahren diese
Entlastung der Statistiken nicht nur wegfallen, sondern sich fuer
ein paar Jahre umkehren.
> Für ein halbes Jahr gewährt man den Jüngeren einen 2 Euro
Job und er
> wird bei der BA nicht mehr als arbeitssuchend geführt.
Das muessten fuer Juni 2007 rund 411 Tsd sein. Etwa 314 Tsd bei der
BA und 97 Tsd bei den Optionskommunen.
> Dazu kommt, das private Jobvermittler AL langfristig auch ins
> nahegelegene Ausland vermitteln.
>
Hier gibt es aber noch lange keine verlaesslichen Zahlen zur Migration.
Diese kommen erst im Herbst/Winter des Folgejahres und nicht monatlich
aufgeloest. Vorlaeufige Schaetzungen gibt es aber meistens schon etwas
frueher.
> Gäbe es ALG2 nicht, sondern wie bisher die Arbeitslosenhilfe und
danach
> die Sozialhilfe, wäre die Zahl der Bezieher um ca 10% niedriger. Weil
> man aber die Obdachlosen besser kontrollieren wollte, machte man die
> meisten von ihnen seßhaft und zu Alg2 + Wohngeldbeziehern ohne das
sie
> für den Arbeitsmarkt irgendwie von Nutzen wären.
Noe. Die waren in der Rechnung nie drinnen. Diese Menschen sind fuer
die Politik nur Kollateralschaeden. Es ging eindeutig um die arbeits-
faehigen Menschen, ob mit oder ohne Job.
> In letzten Jahr konnten gerade mal ca. 28.000 Langzeitarbeitslose aus
> ALG2 in einen Job vermittelt werden. Imho hatte da die BA den geringsten
> Vermittlungsanteil, obwohl sie sich dafür auf die Schulter klopft.
So viele? Quelle?
MfG
Uwe Borchert
Friedrich Bartel wrote:
> Ganz einfach, Monat für Monat tauchen AL in Umschulungen, in
> Zeitarbeitsfirmen kurzfristig ab oder verschwinden nach ALG2.
Arbeitslose verschwinden nicht nach ALG 2. ALG 2 Empfänger
sind in aller Regel in der Statistik als Arbeitslose geführt.
Früher war das so, dass Sozialhilfeempfänger aus der Statistik
gefallen sind.
Letztlich wird nie eine Statistik endgültig die Wirklichkeit
abbilden. Sinnvolle Indikationen sind in meine Augen die
Zahl der Erwerbstätigen.
MfG
Matthias
Hallo,
Matthias Frank wrote:
> Friedrich Bartel wrote:
>
>> Ganz einfach, Monat für Monat tauchen AL in Umschulungen, in
>> Zeitarbeitsfirmen kurzfristig ab oder verschwinden nach ALG2.
>
> Arbeitslose verschwinden nicht nach ALG 2. ALG 2 Empfänger
> sind in aller Regel in der Statistik als Arbeitslose geführt.
Nein! Nach SGB II 16(2) und SGB III ??? werden Teilnehmer an
aktiven Massnahemn des Arbeitsmarktes nicht mehr als arbeitslos
gezaehlt. Dies gilt bereits seit 2004, also pre-Hartz-IV. Und
das sind im Moment fast 2 Mio Menschen, also rund ein Drittel
der Bezieher von ALG-I und -II. Sie werden jedoch noch als
Bezieher von ALG-I und -II gefuehrt. Und die Summe aus beiden
Zahlen ist im Juni 2007 mit 6.086.766 angegeben.
Die offizellen 3,7 Mio Al plus 2 Mio in Massnahmen sind bereits
5,7 Mio. Die restlichen 400 Tsd sind dann Menschen in der 58+
Regelung (Stand 2005: 230 Tsd) und Kurzarbeiter (Juni 2007:
144 Tsd). Demnach haette sich die Zahl der 58+ von 230 Tsd im
Jahre 2005 nur wenig veraendert und waere auf 221 Tsd gesunken.
> Früher war das so, dass Sozialhilfeempfänger aus der Statistik
> gefallen sind.
Die meisten sind weiterhin nicht (mehr) in der Statistik. Sie
gelten als erwerbsunfaehig und sind nun entweder Sozialgeld-
oder Grundsicherungsempfaenger nach SGB-XII.
> Letztlich wird nie eine Statistik endgültig die Wirklichkeit
> abbilden. Sinnvolle Indikationen sind in meine Augen die
> Zahl der Erwerbstätigen.
So auch nicht korrekt. Es gibt verschiedene Klassen von
Erwerbstaetigen. Mini- und Midi-Jobber, regulaer Vollzeit-
und Teilzeitbeschaeftigte. Idealerweise wuerde man Mini-
Midi- und Ein-Euro-Jobs abschaffen. Dann waere alles nicht
nur einfacher sondern auch besser.
MfG
Uwe Borchert
On Fri, 29 Jun 2007 01:29:49 +0200, Uwe Borchert
wrote:
> Bezieher von ALG-I und -II gefuehrt. Und die Summe aus beiden
> Zahlen ist im Juni 2007 mit 6.086.766 angegeben.
Wo steht denn diese Zahl?
Ich hole meine Zahlen von meist Seite 4-5, diesmal Seite 6.
Siehe auch Seite 6 Satz:
Insgesamt erhielten 2.836.000 er-
werbsfähige Hilfebedürftige Arbeitslosengeld II,
ohne arbeitslos zu sein.
Bye, Volker
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